Musikgemeinde Osterode am Harz e.V.

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12 Dez. 2019;
19:15 - 21:30
Chorprobe

Rezension zum Kammerkonzert am 26.10.2019 mit dem "Pierrot Quartett"

Zwischen Klassik und Moderne

Das "Pierrot Quartett" war zu Gast in der Osteroder Schlosskirche

 Man kann wohl behaupten, dass das Konzert der Musikgemeinde Osterode am vergangenen Samstag in der Schlosskirche ein außergewöhnliches war. Denn eher selten stehen innerhalb eines Konzertabends Gegensätze wie klassische und zeitgenössische Komponisten nebeneinander auf dem Programm. Diesen Spagat hat das "Pierrot Streichquartett", bestehend aus Johanne Klein (Violine), Luisa Höfs (Violine), Paula Heidecker (Viola) und Hanna Kölbel (Violoncello) geschafft, auch wenn die Meinungen der Besucher über das Dargebotene weit auseinander gingen.

Aus:  HarzKurier, Tageszeitung im Landkreis Göttingen, Ausgabe vom 07.11.2019; Text und Foto:  Herma Niemann

Der Abend begann mit dem Streichquartett Nr. 31 Es-Dur, Op. 20 Nr. 1 von Joseph Haydn aus dem Jahr 1772. "Das ist unser klassischstes Werk heute Abend", deutet Kölbel schon an. Das, was man aus heutiger Sicht als konventionell empfinden würde, habe Haydn erfunden. Haydn habe herumprobiert und getestet, und vielleicht sogar beim Komponieren geschmunzelt, so Kölbel weiter.

Technisch hohes Niveau

Während sich die Sätze eins und zwei wie eine fröhliche Gemütsreise darstellten, stellte sich im dritten Satz das komplette Gegenteil ein. Schwermut wird besonders beim Zusammenspiel deutlich: brummende, langgezogene Tonführungen, wie in einer Zeitlupenaufnahme. Dann wieder staccato, also kurze, abgehackte Töne, die sich anhören wie auf dem Wasser aufspringende Tropfen, die im Verlauf zu dichten Wellen verschmelzen. Die vier jungen eigenwilligen Musikerinnen bewiesen bereits hier, dass sie technisch auf höchstem Niveau spielen. Doch das sollte sich im zweiten Stück des Abends noch steigern.

Als zweiter Komponist stand György Ligeti (1923 bis 1954) mit "Methamorphoses nocturnes" auf dem Programm, womit die Musikerinnen viel Mut bewiesen. Dieses Werk könnte gut und gerne auch als Filmmusik in einem Psycho-Thriller Verwendung finden. Gespenstisch, düster, beklemmend - und dennoch ein Werk, das zeigt, was alles möglich ist bei der Erzeugung von Stimmungen mit Streichinstrumenten. Die beherrschenden Dissonanzen schienen tiefe Abgründe einer Szenerie oder einer menschlichen Seele aufzutun. Die Tonfolgen ließen teilweise gänzlich jede Melodie vermissen. Stattdessen wurden oftmals die Saiten gezupf, der Bogen gegen das Holz des Instruments geschlagen, auch entstanden eine Art "ploppende" Töne. Das Stück entwickelte sich wie eine Art "Wundertüte des Bösen", bei der man von einem Albtraum in den nächsten zu schlittern schien.

Bei all der Düsterheit des Werkes und auch der Frage, ob die klassische Welt der Streichmusik ein solches Stück als Unterhaltung wirklich braucht, muss man jedoch das technische Können der Musikgerinnen ganz weit oben ansiedeln.

Wer nach der Pause dachte, dass es nun etwas gemäßigter weiterginge, hatte sich geirrt. Auch das nächste Stück mit dem Titel "Freizeit" von Enno Poppe (geboren 1969) hatte eher etwas von experimenteller Musikübung. Das Werk enthält 14 kurze Teile. "Bitte denken Sie nicht, dass wir unsauber spielen", erklärte Kölbel "Das Stück beinhaltet viele Spieltechniken und viele Viertel- und Achteltöne".

Spielen und umblättern

Poppe selbst beschreibt sein Werk lakonisch als ein Stück, das nur aus zwei Elementen besteht: spielen und umblättern. Das Umblättern soll stets zügig ausgeführt werden, was sich anfangs noch als sehr unterhaltsam erwies, wenn nach ein paar Tonfolgen alle Musikerinnen synchron ihre Noten umblättern, und das nochmal und nochmal und nochmal. Allerdings soll laut dem Komponisten der Vorgang nicht nur eine performative Manieriertheit sein, die ein übertrieben dargestelltes notwendiges Übel darstellt. Die Partitur von Poppe ist extra so geschrieben und inszeniert. Denn zwischen den ersten sechs Teilen ist jeweils ein unbedrucktes Blatt eingebunden, was ein absichtliches Hindernis darstellt. Diese erzwungene Pause ist ein von dem Interpreten zu gestaltender Bestandteil des Werks. Diese stumme Zeit, frei von notierter Musik, bestimmt zudem die Dramaturgie des Stücks. Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, experimentell, und dennoch unterhaltsam, aber vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Versöhnliches Ende: das Steichquartett Op. 41 Nr. 1 a-Moll von Robert Schumann. Das romantische Werk, das Schumann seiner Frau Clara gewidmet hat, klärte den ungewöhnlichen Abend wieder auf. hn

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