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Musikgemeinde Osterode

Aus:  HarzKurier vom 10.11.2025
Ralf Gießler

95 Jahre Musikgemeinde Osterode am Harz e.V.


Der Verein ist ein ganz besonderer Kulturträger im Südwestharz und hat noch viel vor.

Seit ihrer Gründung 1930 ist die Musikgemeinde Osterode am Harz (MgO) ein fester Bestandteil der örtlichen Musikszene. Von Beginn an hat sich der Verein der Pflege klassischer Musik verschrieben. Unter seinen bislang sieben Chorleitern wurden fast alle üblichen und sogar ausgefallene Oratorien der vergangenen vier Jahrhunderte aufgeführt - von Claudio Monteverdi (er gilt als bekanntester Wegbereiter der frühen Oper) bis hin zu Leonard Bernstein, einem der einflussreichsten Musiker des letzten Jahrhunderts und unter anderem Schöpfer der weltberühmten „West Side Story“. Die Qualität und Dichte der Konzertveranstaltungen sei für eine kleine Stadt wie Osterode etwas Besonderes, so der Vereinsvorstand.
Am Sonntag, den 7. September 2025, feierte die Musikgemeinde mit ihrer zweiten Osteroder Kaffeemusik ihr 95. Jubiläum in der St. Jacobi Schlosskirche. Dabei wurde auch ein Blick zurück zur Gründungsversammlung 1930 geworfen, der damals einen etwas umständlich formulierten Wunsch offenbarte: „Es solle eine Musikgemeinde gebildet werden mit einem festen Kern, einem gemischten Chor. Um diesen sollen sich die Freunde der Musik gruppieren. Diese Vereinigung, bestehend aus Ausübenden und Hörern, will Träger einer neuen Bewegung sein: der Pflege der Vokal- wie der Instrumentalmusik.“ 1930 war die Zeit der Weimarer Republik. Eine unruhige Zeit mit politischer Instabilität und großer Arbeitslosigkeit. Die Weltwirtschafskrise verschonte auch das beschauliche Osterode nicht. In dieser Zeit gründeten zwei Osteroder Lehrer namens Kageler und Kohlmann die „Chorvereinigung der MgO“. Sie luden „Musikfreudige und musikalische Damen und Herren“ in die Aula des Realgymnasiums (heutige Schachtruppvilla) ein. Die Gründung traf damals einen Nerv und auf ein großes Echo in der Osteroder Bevölkerung. 1931 beim Konzert im Osteroder Lichtspielhaus unter der Leitung von Fritz Kohlmann - Mitbegründer der MgO und Chorleiter bis 1939 - zählte der Verein 364 Mitglieder. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges endete jedoch zunächst zwangsläufig die erfolgreiche Vereinsarbeit. Die Mitgliederzahl schrumpfte 1940 auf 62, wobei lediglich 22 Sänger waren. 1947 dann stieg die Zahl wieder deutlich auf 114 Aktive. Es folgte eine für die MgO sehr erfolgreiche Zeit mit vielen ausverkauften Konzerten, die weit in die Region hinausstrahlten.


Kooperation sorgt für neuen Klang und volle Reihen
2012 wurde aus verschiedenen Gründen eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Kantorei in Herzberg zwingend nötig. Vier Jahre später dann begann man erstmalig, sämtliche Proben der Musikgemeinde zusammen mit der Kantorei in Herzberg durchzuführen. Die Engpässe beider Chöre in manchen Stimmlagen konnten und können somit gegenseitig ausgeglichen werden, was wiederum zu einer effektiveren Probenarbeit führt(e). Diese Zusammenarbeit trägt auch in 2025 weiterhin Früchte: Der mit der Herzberger Kantorei vereint probende Chor der MgO führt gemeinsam mit dem Herzberger Kammerchor sowie den Jugendchören Herzberg/Osterode großartige Oratorien alter Meister auf. Die „Renner“, was die Besucherzahlen anbelangt, sind jedoch momentan die Kinder- und Jugendmusicals. Die Erfolgsgeschichte, die 1930 mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg begann, dauert bis zum heutigen Tage an. Höchste Zeit also, die Musikgemeinde Osterode am Harz einmal noch näher vorzustellen.
Das Spektrum des rührigen Vereins umfasst noch so viel mehr als „nur“ die Liebe zur Musik: „Neben Oratorien veranstalten wir Instrumentalkonzerte vom Solo- bis zum Orchestervortrag. Da unser jetziger künstlerischer Leiter, Jörg Ehrenfeuchter, gleichzeitig Kreiskantor des Kirchenkreises Harzer Land ist, kooperieren wir mit der Herzberger Kantorei der Nicolaigemeinde. Da liegt es nahe, dass wir die Kinder- und Jugendarbeit unseres künstlerischen Leiters fördern“, berichtet Claudia Leonhardt, erste Vorsitzende des Vereins. Kurz gesagt: In der Musikgemeinde Osterode treffen sich Menschen jeden Alters in verschiedenen Chören zum gemeinsamen Singen und Musik erleben. Einerseits werden berühmte klassische Chorwerke von Bach, Mozart und anderen Komponisten aufgeführt. Andererseits erarbeiten Kinder- und Jugendchöre anspruchsvolle Musicals, für die intensiv geprobt wird. Musicals erleben, singen und aktiv gestalten: Bei den Proben werden neue Fähigkeiten entdeckt und die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernehmen als Teil einer Gemeinschaft Verantwortung für das Gelingen des großen Ganzen. Die Kinder würden an der Herausforderung wachsen, ein Musical zu erarbeiten. Das Erfolgserlebnis nach einem Konzert werde den Kindern ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Neben den Einblicken in die Musikwelt lernten sie, dass sich Ausdauer und „dran bleiben“ lohnen.


Wie geht es weiter mit der Musikgemeinde Osterode?
Seit einiger Zeit kooperiert die Musikgemeinde zudem mit den Osteroder Jazzfreunden, um gemeinsame Konzerte zu verwirklichen und auf die Bühne zu bringen. Natürlich bliebe man seinen ursprünglichen Vereinszielen treu, verspricht Leonhardt: „Solange es finanzierbar und durchführbar ist, das heißt wenn genügend Förderer und Konzertbesucher da sind, werden wir weiter die großen Werke aufführen.“
Heute, 95 Jahre später, müsse man sich fragen, wie es mit der MgO in den nächsten Jahren weitergehen werde. Denn die Mitglieder der MgO würden immer älter und weniger werden, die Chöre schrumpften und es kämen wenig neue Sänger nach. Die Möglichkeiten, sich anderweitig in der Freizeit zu beschäftigen, stiegen. Zudem habe sich der Musikgeschmack vieler Menschen verändert. Neue Sängerinnen und Sänger seien daher jederzeit herzlich willkommen!
Die MgO sei ein eigenständiger Verein, werde jedoch eher als Teil der Kirche wahrgenommen. Grund dafür sei. dass der Oratorienchor eben seit einigen Jahren mit der Herzberger Kantorei gemeinsam probe. Der Verein könne jedoch ganz andere Fördermittel beantragen als die Kirche. Ohne Verein wären die großen Konzerte in Osterode nicht finanzierbar. „Wir fragen uns im Vorstand, ob es möglich ist, die Musikgemeinde Osterode in die Zukunft hinüberzuretten. Und ob wir es schaffen, den Schatz an Musik, den wir besitzen, an die nächsten Generationen – auch in Osterode – weiterzugeben. Denn es ist immer wieder eindrucksvoll, wie begeistert Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Profimusikern hochwertige Musik bei uns in der Region auf die Bühne bringen. Das sollte nicht verpuffen. Dennoch kein Grund zum Lamentieren, denn wir haben zum Beispiel unseren sehr gut aufgestellten Jugendchor. Er ist im Augenblick unser Joker.“


Wenn Chormusik cooler ist als das Internet
Mit wie viel Freude die jungen Leute bei der Sache sind, davon konnte sich unser Autor, Ralf Gießler, bei einer Probe selbst überzeugen. Das Coolste sei es, mit Freunden zusammen zu singen. Die Musicals machten am meisten Spaß. Aber auch Bach und die Oratorien. Überhaupt seien die Auftritte vor Publikum ein Höhepunkt, denn: „Wir sind eine coole Truppe, es gibt immer etwas zu lachen. Wir sind ein „kunterbunter Haufen“ und haben mit dem Singen eine tolle Alternative zum Worldwideweb gefunden. Es macht einfach Spaß mit Menschen zusammen zu sein, die dieselbe Begeisterung für Chormusik teilen“, erzählen die Jugendlichen im Gespräch mit dem Harz Kurier.



Musikgemeinde Osterode am Harz e. V.

Musikgemeinde Osterode am Harz e.V.

1. Vorsitzende
Claudia Leonhardt

info@musikgemeinde-osterode.de

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